Der Hund zieht ununterbrochen. Geht auf andere los, wenn er an der Leine ist. Oder bleibt an jeder Ecke stehen. Probleme an der Leine sind häufig – und unnötig.
Getreu meinem Grundsatz: „Das Problem liegt beim Menschen – nicht beim Hund!“ geht es auch hier nicht um nie dagewesene geheime Methoden, Insider-Tricks oder brandneue Hilfsmittel. Und schon gar nicht um Über-Nacht-Erziehungswunder. Denn so etwas gibt es nicht.
Es geht einfach nur um Ihren Hund – und vor allem um Sie!
Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zur Hundeleine?
Kein Ausrüstungsgegenstand ist so unerlässlich wie die Leine – und so problematisch. Zu erst einmal ist die Leine wohl erfunden worden, um den Hund zu kontrollieren, um ihn am Weglaufen zu hindern und ihn zu maßregeln. Menschen sind erfinderisch, wenn es darum geht, mehr Macht in die Hand zu bekommen – und so entstanden Stachelhalsbänder, „Erziehungshilfen“ wie Elektroschocks und Sprühhalsbänder, immer neue, teilweise brutale Hilfsmittel.
Mit der Zeit lehnten es aber immer mehr Menschen es ab, die Leine als schmerzhaftes und angstauslösendes Machtinstrument einzusetzen, suchten andere Wege und fanden sie auch. Das ist absolut positiv. Vermutlich gehören Sie auch zu diesen Menschen, sonst wären Sie überhaupt nicht hier.
Nun ist die Leine aber zu etwas ganz und gar Negativem in der Wahrnehmung vieler Hundebesitzer geworden. Allenfalls ein notwendiges Übel. Sie wird (vom Menschen) assoziiert mit Freiheitsberaubung und gewaltsamer Einwirkung. Man möchte die Leine am liebsten gar nicht benutzen. Fast alle Kunden äußern als eine der wichtigsten Erwartungen, den Hund möglichst viel frei laufen lassen zu können. Ein schöner Wunsch, natürlich gehört Freilauf zum Hundeleben dazu – aber was vermitteln wir unserem Hund mit dem Gedanken: „Hier muss ich dich leider anleinen“? An der Leine ist der Spaß zu Ende? Nur ohne Leine kann sich ein Hund wohl fühlen?
Machen Sie sich klar, dass Hunde Meister darin sind, unsere Absichten und Gefühle zu lesen – nicht nur, was wir tun, zählt, sondern auch, wie wir es tun. Manchmal kommt es einem so vor, als könne der Hund Gedanken lesen. Und welchen Reim macht sich der Hund wohl auf Ihre Gedanken über die Leine?
„Die Leine ist etwas Beunruhigendes. Ich ignoriere sie, so gut ich kann, oder ich wehre mich dagegen und versuche, sie so schnell es geht, loszuwerden. Wenn das nicht klappt, muss ich versuchen, mich mit all meiner Kraft zu entziehen....“
Jetzt fühlen sich Mensch und Hund unwohl und unsicher an der Leine. Es wird gezogen, geschimpft, gekämpft. Das bedeutet Stress. Wenn jetzt noch mehr Stress dazu kommt, weitere Angstauslöser – dann sind wir schnell beim Thema Leinenaggression. Viele Hundehalter, deren Hunde Probleme an der Leine machen, erzählen, der Hund sei ganz friedlich, sobald er frei laufen „darf“. Ist die Leine das Problem? Nein, es ist die Einstellung der beiden Lebewesen, die durch sie verbunden sind.
Überprüfen Sie mal Ihr Verhältnis zur Leine. Welche Assoziationen verbinden Sie mit diesem Ausrüstungsgegenstand? Negative? Gleichgültige? Versuchen Sie, eine positive Einstellung zur Leine zu entwickeln und Ihrem Hund in Gedanken mitzuteilen. Etwa so:
"An der Leine kannst du dich sicher fühlen!
Durch die Leine kann ich mich dir mitteilen, so dass du besser verstehst, was ich von dir erwarte. Wir können miteinander kommunizieren.
Die 6 Bausteine erfolgreicher Hundeerziehung
An der Leine kann man sich entspannen und wohl fühlen.
Es ist schön, durch die Leine miteinander in Verbindung zu stehen. Sie bedeutet: wir erleben etwas zusammen.
Die Leine ist ein Symbol der Bindung zwischen uns."
Die Veränderung des inneren Bildes wird schon viel bewirken! Es lohnt sich, sich mit dem Thema Leine intensiv auseinander zu setzen und es geduldig und gründlich gemeinsam mit dem Hund zu erarbeiten. Notwendig ist die Hundeleine sowieso in unserer Welt – es wäre doch schade, nichts daraus zu machen!
Sind Sie neugerig geworden? Dann lesen Sie doch in meinen Büchern "Hundeerziehung mit Holger Schüler" oder "Wir verstehen uns" nach, was es alles nocht gibt rund um das Thema "Leinenführung".